Grenzflächentechnologie und Materialwissenschaft

Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

Grenzflächen von Materialien sind Oberflächen in Kontakt oder im Austausch mit ihrer Umgebung. Sie spielen eine tragende Rolle in vielen technischen Bereichen wie beispielsweise im Automobilbau, bei technischen Textilien oder in der Medizintechnik. Für viele Werkstoffoberflächen sind ganz andere Eigenschaften gefordert als sie das Material im Volumen besitzt. Neben diesen Werkstoffoberflächen gewinnen zunehmend innere Grenzflächen in Verbundmaterialien an Bedeutung.

Kompetenzen

Für die technologische Umsetzung haben wir verschiedenste Verfahren etabliert, mit denen entweder aus der Gasphase heraus Schichten abgeschieden, oder aus der flüssigen Phase dünne Schichten oder Partikel erzeugt werden.

Etablierte Herstellungsverfahren:

  • Abscheidung dünner Schichten mit chemischen und physikalischen Methoden aus der Gasphase (Plasmaverfahren, Bedampfen, Sputtern, Parylenabscheidung)
  • Abscheidung von Nanopartikeln mit verschiedenen Polymerisationstechniken
  • Erzeugung von Membranen mittels Sol-Gel-Prozessen und Sinterung
  • Abscheidung dünner Schichten durch Layer-by-Layer-Methoden oder mittels selbstorganisierender Monoschichten (Self Assembly Monolayers, SAM)
  • Auftrag dünner polymerer Filme durch Spin Coating
  • Abscheidung von Nanofasern mittels Elektrospinnen

Für eine adäquate Verfahrens- und Produktentwicklung müssen die einzelnen Schritte kontrolliert und die Produkte charakterisiert werden. Hierzu steht uns eine Vielzahl analytischer Methoden zur Verfügung, mit denen wir die Prozesse teilweise auch in situ untersuchen und kontrollieren können (Prozessdiagnostik). Da ein Großteil unserer Produkte durch nanometerdünne Schichten oder Nanopartikel bestimmt ist, nutzen wir vor allem Methoden, die ortsaufgelöste Informationen bis in den Nanometerbereich ermöglichen. Anwendungsrelevante Eigenschaften wie Separations- und Permeationseigenschaften dünner Schichten (Membranen, Barrieren, Korrosionsschutz), die Stofftrennung mit molekular geprägten Nanopartikeln und die Dispergierfähigkeit von modifizierten Kohlenstoffnanoröhren werden in speziellen Versuchsanordnungen bestimmt.

Etablierte Charakterisierungs- und Diagnostikverfahren:

  • Bestimmung der Grenzflächenspannung mit diversen Tensiometern
  • Erfassung der Topographie und geometrischen Struktur von Oberflächen bis in Nanometerdimensionen mit verschiedenen AFM-Varianten, Elektronenmikroskopie und digitaler Lichtmikroskopie
  • Bestimmung der Adsorptionseigenschaften entweder mikrokalorimetrisch aus der flüssigen Phase durch Messung der Adsorptionsenthalpie oder durch Gasadsorption bei gleichzeitiger Bestimmung der spezifischen Oberfläche (BET)
  • Bestimmung der Schichtdicke entweder ellipsometrisch oder mit mikroskopischen Techniken
  • Bestimmung der chemischen Funktionen an Oberflächen und in dünnen Filmen mit IR-Spektroskopie im ATR-Modus, IR-Mikroskopie, konfokaler Raman- und Fluoreszenzspektroskopie sowie mit MALDI-TOF-MS (matrix-assisted laser desorption-ionisation time-of-flight mass spectroscopy)
  • Erfassung der Elementzusammensetzung mit Elektronenspektroskopie für die chemische Analyse (ESCA) und energiedispersiver Röntgenmikroanalyse (EDX)
  • Prozessdiagnostik für Plasmen mit Sondenmessungen, optischen und massenspektrometrischen Methoden

Neben der Qualität der Produkte steht vor allem die Material- und Energieeffizienz der entwickelten Verfahren im Vordergrund. Eine Möglichkeit ist es, ganze Funktionseinheiten zu miniaturisieren und durch Kombination verschiedener dünner Schichten zu realisieren. Bei diesen dünnen Schichten ist dann auch die innere Struktur und chemische Zusammensetzung von Bedeutung, die den Transport von Stoffen (Membranen), von Elektronen (Leiter, Halbleiter) oder von Photonen (Lichtleiter) modulieren und Dünnschicht-Komponenten für die Photovoltaik, für Batterien und für die organische Elektronik zugänglich machen. Herausforderung und Gegenstand unserer verfahrenstechnischen Entwicklungen ist es, die mit verschiedenen Dünnschichttechniken zugänglichen dünnen Schichten geeignet zu kombinieren.

Durch den kombinierten Einsatz von Präparationsverfahren und analytischen Methoden sind wir in der Lage, Entwicklungsaufgaben für unsere Kunden in allen Geschäftsfeldern des Fraunhofer IGB – Medizin, Pharmazie, Chemie, Umwelt und Energie – erfolgreich zu bearbeiten.

Leistungsangebot

  • Prozessentwicklung zur Plasmamodifizierung von Oberflächen
  • Schichtentwicklung für Schutzschichten (Kratz-, Korrosionsschutz), Barrieren gegen Permeation, Schichten als Reservoir für die gezielte Freisetzung von Stoffen (Formulierungen)
  • Funktionalisierung von Oberflächen (chemisch und biochemisch)
  • Entwicklung von Plasma-Reinigungsprozessen und Plasma-Sterilisationsprozessen
  • Synthese und Präparation nanostrukturierter Materialien mit maßgeschneiderter Oberfläche
  • Entwicklung von neuartigen Formulierungen mittels Kern-Schale-Partikeln
  • Charakterisierung von Nanopartikeln, Messung der Partikelgröße und Partikelgrößenverteilung mit optischen Methoden oder im elektrischen Feld
  • Entwicklung von Membranen und Membranmodulen
  • Herstellung und Testung von Membranen im Pilotmaßstab
  • Oberflächen- und Schichtcharakterisierung
  • Verfahrens- und Anlagenentwicklung
  • Up-Scaling von Laborprozessen zur Herstellung dünner Schichten auf großflächige Formate und Skalierung der Nanopartikelherstellung zu größeren Volumina

Infrastruktur, Labor- und Geräteausstattung

  • Anlagen zur Plasmabehandlung (Reinigung, Sterilisation, Beschichtung, Funktionalisierung)
  • Anlagen zum Sputtern und zur Parylenbeschichtung
  • Elektronenmikroskope und Rasterkraftmikroskope
  • Geräte zur Oberflächen- und Dünnschichtanalytik
  • Chemisch-nanotechnologische Laboratorien zur Synthese und Herstellung nanostrukturierter (Bio-) Materialien und Oberflächen
  • Pilotanlagen zur Herstellung und Testung von Membranen

  • Dr. Christian Oehr

    Abteilungsleiter Grenzflächentechnologie und Materialwissenschaft

    Nobelstr. 12
    70569 Stuttgart

    • Telefon +49 711 970-4137
    • Fax +49 711 970-4200
  • Stephanie Kleinbach M. A.

    Sekretariat Grenzflächentechnologie und Materialwissenschaft

    Nobelstr. 12
    70569 Stuttgart

    • Telefon +49 711 970-4119
    • Fax +49 711 970-4200
  • Dr. Thomas Schiestel

    Gruppenleiter Anorganische Grenzflächen und Membranen

    Nobelstr. 12
    70569 Stuttgart

    • Telefon +49 711 970-4164
    • Fax +49 711 970-4200
  • Dr. Achim Weber

    Stv. Abteilungsleiter, Gruppenleiter Partikuläre Systeme und Formulierungen

    Nobelstr. 12
    70569 Stuttgart

    • Telefon +49 711 970-4022
    • Fax +49 711 970-4200
  • Dr. Michaela Müller

    Gruppenleiterin Polymere Grenzflächen, Biomaterialien und Biopolymere

    Nobelstr. 12
    70569 Stuttgart

    • Telefon +49 711 970-4140
    • Fax +49 711 970-4200
  • Dr. Michael Haupt

    Gruppenleiter Plasmatechnik und dünne Schichten

    Nobelstr. 12
    70569 Stuttgart

    • Telefon +49 711 970-4028
    • Fax +49 711 970-4200