Aseptische Systeme
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB
Kontaminierende Mikroorganismen führen zum Verderb frischer Ware, manchmal bilden sie sogar lebensgefährliche Toxine. Lebensmittel müssen daher möglichst entkeimt und unter hygienischen Bedingungen abgefüllt oder verpackt werden. Traditionelle Verfahren zur Konservierung wie die Hitzesterilisierung oder Pasteurisierung haben häufig den Nachteil, dass sie wertvolle hitzeempfindliche Inhaltsstoffe der Nahrungsmittel wie Vitamine oder Enzyme zerstören und so den Nährwert reduzieren. Auch die Zugabe chemischer Konservierungsstoffe kann negative Auswirkungen haben. Neben Lebensmittelinhaltsstoffen können auch Wirkstoffe in pharmazeutischen Produkten durch thermische Verfahren inaktiviert werden. Alternativen zur Entkeimung sind daher gefragt.
Die Entwicklung neuer Verfahren zur Hygienisierung bzw. Entkeimung biogener Produkte wie Lebensmittel, Kosmetika und Arzneistoffen steht im Vordergrund der Arbeitsgruppe »Aseptische Systeme«. Verschiedene physikalische Verfahren, beispielsweise Mikrowellen oder Druckwechseltechnik, untersuchen wir auf ihre Wirkung, mikrobielle Kontaminationen zu inaktivieren. Dabei berücksichtigen wir auch die Effekte auf Inhaltsstoffe.
- Forschungsthemen
- Wissenswertes
- Projekte
- Leistungen
- Ausstattung
- Publikationen
Forschungsthemen
Physikalische Verfahren zur Entkeimung
Schwerpunkt der am Fraunhofer IGB untersuchten Verfahren sind physikalische oder chemisch-physikalische Verfahren zur Inaktivierung kontaminierender Mikroorganismen, beispielsweise Hochfrequenztechnik (Mikrowellen) oder Druckwechseltechnik.
Ein Fokus unserer Arbeiten liegt darauf, die Inaktivierungsmechanismen der Prozesse sowie die Wechselwirkung der verschiedenen Parameter im System (Temperatur, Druck, Partikelgröße, Viskosität, pH-Wert usw.) zu verstehen und zu beschreiben, um die Prozesse technologisch zu optimieren und in einen Produktionsprozess umsetzen zu können. Erkennen wir prozesstechnische oder energetische Vorteile, so werden die Verfahren von uns weiterentwickelt und für die jeweilige Anwendung optimiert. Dafür arbeiten wir in einem interdisziplinären Team und etablieren neue Verfahren von der Konzeption, über Versuche im Labormaßstab und Anlagen im Technikumsmaßstab bis zur Pilotierung im großtechnischen Maßstab.
Mikrowellen
Die Erhitzung mit Mikrowellen ist ein gängiges Verfahren, Lebensmittel im Haushalt oder in industriellen Produktionsprozessen zuzubereiten. Die meisten Prozesse jedoch sind als Batch-Verfahren ausgelegt. Die Weiterentwicklung der Technologie im Sinne einer kontinuierlichen Prozessführung für die Konservierung flüssiger Produkte ist Gegenstand aktueller Forschungsarbeiten am Fraunhofer IGB. Ferner sind neue Anwendungen der Mikrowellentechnologie materialspezifisch. Dafür entwickeln wir Modelle für Applikationen von Mikrowellen in der Lebensmittelproduktion weiter und untersuchen sie wissenschaftlich.
Druckwechseltechnologie
Die Druckwechseltechnologie (pressure change technology, PCT) entwickeln wir am Fraunhofer IGB für die Konservierung von flüssigen Lebensmitteln wie Fruchtsäften oder Wein weiter. Dabei wird das Produkt mit einem inerten Gas wie Stickstoff oder Argon unter Druck vermischt und dann schlagartig entspannt. Die Keimreduzierung in Fruchtsäften und anderen Modellflüssigkeiten wurde erfolgreich von Kooperationspartnern mit Prozessanlagen im Batch- und semi-kontinuierlichen Betrieb nachgewiesen. Die Weiterentwicklung auf einen kontinuierlichen Betrieb und die Anpassung von Prozessparametern für weitere Applikationen sind Gegenstand aktueller und geplanter Projekte und wissenschaftlicher Arbeiten.
Integrierter Prozessansatz
Um reale Alternativen darstellen zu können, müssen die entwickelten Verfahren in ihrer Konzeption auf die Anforderungen eines Lebensmittelproduktionsprozesses angepasst werden. Dafür muss eine Gesamtanalyse von der Produktentwicklung, Verarbeitung und Stabilisierung bis zur Anlagentechnik und Verpackung durchgeführt und validiert werden. Konzepte des Hygienic Design und der CIP-Reinigung (cleaning in place, CIP) spielen dabei eine zentrale Rolle. Diese Systeme betrachten wir ebenfalls im Hinblick auf ihre Energieeffizienz.
Die Entwicklung produktschonender Verarbeitungsprozesse, welche den Verlust wertvoller Inhaltsstoffe wie Vitamine minimiert, wird sowohl für die Nahrungsmittel- als auch für die Kosmetik- und Pharmaproduktion immer gefragter. Die Weiterentwicklung und prozesstechnische Optimierung von alternativen Verfahren und ihre Integration in den Produktionsprozess werden in Übereinstimmung mit gängigen GMP-Standards (good manufacturing practices) und Risikoanalysenverfahren wie HACCP (hazard analysis and critical control points) durchgeführt.
Wissenswertes
Projekte
ProEclair – Automatisierte Herstellung eines konservierungsstofffreien Brandteiges
- Ziel des von der EU geförderten Projektes »ProEclair« ist die automatisierte Herstellung traditioneller Brandmasse unter aseptischen Bedingungen. Hierdurch soll die Lagerstabilität wesentlich verlängert werden.
PreserveWine
- In diesem Projekt ist das Fraunhofer IGB daran beteiligt, die Druckwechseltechnologie (PCT) als kontinuierlichen Prozess für die Weinstabilisierung zu entwickeln. Ziel hierbei ist es, die Zugabe chemischer Konservierungsstoffe wie beispielsweise Schwefeldioxid zu minimieren oder zu vermeiden.
MicroMilk
- Das Fraunhofer IGB entwickelt innerhalb des europäischen Konsortiums ein neuartiges Konzept zur Milchpasteurisierung auf der Basis von Mikrowellen..
Leistungen
Wir arbeiten in einem interdisziplinären Team und etablieren neue Verfahren für die Bereiche Lebensmittel, Kosmetik und Pharmazie wie Hochdrucksterilisation und Mikrowellenpasteurisation von der Konzeption, über Versuche im Labormaßstab und Anlagen im Technikumsmaßstab bis zur Pilotierung im großtechnischen Maßstab.
Dabei richten wir unsere Arbeiten auf die speziellen Anforderungen der Bereiche Lebensmittel, Kosmetik und Pharmazie aus und konzipieren Prozesse und Anlagen unter dem Aspekt des Hygienic Design und im Hinblick auf eine Herstellung nach GMP-Richtlinien.
- Wissenschaftliche Beurteilung, Beratung, Untersuchungen zu Aufgaben der Hochdrucksterilisation flüssiger Medien
- Wissenschaftliche Beratung, Untersuchungen zu Aufgaben der Mikrowellensterilisation flüssiger Produkte
- Optimierung der Prozesse unter Berücksichtigung von mikrobieller Stabilität, Erhaltung hochwertige Inhaltstoffe sowie Energieeffizienz
- Produktbezogene Beurteilung der Hochdruck- bzw. Mikrowellensterilisation und durch umfangreiches Analytikangebot
- Entwicklung eines nach den individuellen Bedürfnissen des Kunden applizierten Anlagenkonzepts
- Prozessauslegung durch ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen Lebensmitteltechnologie, Verfahrenstechnik, Maschinenbau, Chemie, Mikrobiologie und Elektrotechnik
- Technikumsanlagen für Vorversuche
- Konstruktive Spezifizierung des Prozesses und der Anlagenkomponenten, u. a. mit der integrierten Kombination aus 3-D-CAD-Konstruktion und numerischer Simulation von Strömungen, elektromagnetischen Feldern, Wärmeübertragung etc. mit neuester Software
- Entwicklung Hygiene- und GMP-gerechter Prozesse und Anlagen inkl. Risikoanalyse der Prozesse
- Begleitung unserer Kunden von den ersten Voruntersuchungen bis zur Inbetriebnahme einer Anlage
- Für die Realisierung der entwickelten Anlagenkonzepte arbeiten wir mit einem Netzwerk qualifizierter Firmen des Maschinen- und Anlagenbaus zusammen.
Ausstattung
Für unsere Untersuchungen und Entwicklungen verfügen wir über ein chemisch-physikalisches Labor und verschiedene Pilotanlagen.
Wir verfügen über Software für die theoretische Voruntersuchung mehrphasiger Prozesse wie dem Verhalten von Feststoffpartikeln in einer Fluidströmung, ebenso für die Berechnung von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern in Räumen und die Auslegung von Antennen zu deren Erzeugung.
Konstruktions- und Simulationssoftware
- SolidWorks
- CST Microwave Studio
- COMSOL MultiPhysics®
- Design-Expert Workstation




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