Bioreaktorentwicklung für das Tissue Engineering
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB
Für die Kultivierung von organoiden Zellsystemen sind spezifische Kulturgefäße erforderlich, in denen Nährstoffe zu- und Stoffwechselprodukte abgeführt werden können. Am Fraunhofer IGB entwickeln Kybernetiker gemeinsam mit Zellbiologen Bioreaktoren für die Kultivierung unterschiedlicher Zellen und Gewebe unter physiologischen Bedingungen. Die physiologischer Kultivierungsbedingungen werden durch den Einsatz von computergesteuerten Bioreaktorsystemen aufrecht erhalten.
- Forschungsthemen
- Wissenswertes
- Projekte
- Leistungen
- Ausstattung
- Publikationen
Forschungsthemen
Für das erfolgreiche Tissue Engineering von Organen und Geweben ist es essenziell, die Funktionen der gewebespezifischer Zellen in vitro zu erhalten. Hierfür ist es wichtig, die in-vivo-Mikroumgebung der Zellen in vitro möglichst genau zu simulieren. Dazu gehören, neben einer ausreichenden Versorgung der Zellen, die Stimulation durch spezifische Zytokine, die Bereitstellung einer Trägerstruktur sowie von mechanischen Reizen, die in ihrer Art und Intensität gewebeabhängig stark variieren. Studien haben gezeigt, dass mechanische Bedingungen wie Medienfluss und Rotations-, Dehnungs-, Zug- oder Pulsationsstress wichtige Faktoren bei der Entwicklung bioartifizieller Gewebe sind.
In der Abteilung Zellsysteme besteht langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Konzeption von Bioreaktoren und computergestützten Bioreaktorensystemen für das Tissue Engineering.
Wissenswertes
Der Zellzustand und damit der Stoffwechsel bzw. die Aktivität wird durch die Mikroumgebung der Zelle und ihre Stimulation mit zellspezifischen Reizen bestimmt (Abb. 1). Dadurch ist auch die Aussagekraft von In-vitro-Testsystemen oder die Qualität eines autologen, in vitro hergestellten Transplantats von der Art der Kultivierung vor Verwendung bzw. Transplantation des Gewebes abhängig. Die Aufrechterhaltung physiologischer Kultivierungsbedingungen wird durch den Einsatz von Bioreaktorsystemen realisiert.
Dabei kann das Reizspektrum je nach Zelltyp sehr breit sein und in der Intensität stark variieren. Deshalb ist es wichtig nicht nur die Art des Reizes sondern auch seine Intensität vor der Auslegung eines Bioreaktorsystems zu identifizieren. Das Fraunhofer IGB verfügt über eine Vielzahl verschiedener Kultivierungssysteme zur Herstellung von Geweben unterschiedlichen Ursprungs, die sowohl im Forschungs- und Entwicklungsbereich als in für GMP- Herstellung von Transplantaten und Zelltherapien einsetzbar sind (Abb. 2).
Dazu gehören computergesteuerte Perfusionsbioreaktoren zur Simulation des physiologischen Blutflusses, der Atmung oder des Transportes von Speisebrei im Darm. Weiterhin ließen sich Bioreaktorsysteme zur Simulation von Dehnungsbewegungen (Link Faszienmodell) und für die Untersuchung von Angiogenese entwickeln.
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- Bild 3: Schematische Darstellung eines Inkubators.
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- Bild 4: Inkubator für die Transplantatherstellung.
Zur verbesserten Bedienbarkeit der Bioreaktorsysteme, die mit wachsenden Anforderungen an die Kultivierungsbedingungen stark in ihrer Komplexität zunehmen, werden parallel zur eigentlichen Bioreaktorentwicklung periphere Systeme entworfen, die den Umgang mit den Bioreaktoren erleichtern.
Abbildung 3 und 4 zeigen einen Inkubator für die Transplantatherstellung unter GMP-Bedingungen, der eine optimale Integration von Bioreaktoren ermöglicht.
Projekte
- Systembiologie für das Tissue Engineering mesenchymaler Stammzellen: Integration neuer experimenteller Methoden und mathematischer Modelle.
Zur Reaktorauslegung können systembiologische Methoden angewandt werden. So beispielsweise beim Aufbau eines gewebespezifischen Bioreaktors für die Kultur und Differenzierung mesenchymaler Stammzellen aus dem Knochenmark. Mesenchymale Stammzellen (MSC) können in verschiedene Zellen des Körpers wie beispielsweise Knorpel-, Knochen- oder Muskelzellen differenzieren und lassen sich deshalb zur Regeneration verschiedener Gewebe einsetzen. Für solche Zelltherapien müssen die Zellen jedoch vermehrt und effektiv in den jeweiligen gewebespezifischen Zelltyp differenziert werden.
In Zusammenarbeit mit Instituten des Center of Systems Biology (CSB) und dem Max-Planck Institut wird derzeit an der Optimierung einer Methode zur Differenzierung von MSC in Osteoblasten (knochenbildende Zellen) geforscht. Hierzu wird die Stimulation der Zellen durch die Verknüpfung biochemischer Signalstoffe mit mechanischer Belastung evaluiert. Die mechanische Belastung wird beispielsweise durch das Erzeugen definierter Drücke über geregelte Pumpsysteme angelegt. Die Umsetzung der im Versuchsmaßstab gewonnen Erkenntnisse erfolgt innerhalb eines Bioreaktorsystems, das sowohl die Zellexpansion sowie die gezielte Differenzierung der Zellen erlaubt.
- 3-D-Tumorprogression und Tumortherapie des malignen Melanoms
Bei diesem Projekt entwickeln wir zusammen mit unseren Partnern vom Institut für Zellbiologie und Immunologie (IZI) der Universität Stuttgart ein vaskularisiertes Hautäquivalent, das als In-vitro-Testsystem zur Untersuchung des malignen Melanoms genutzt werden kann (Bild 1).
- VascuBone: Development of a toolbox for tailor-made angio-inductive or vascularized bone implants
Leistungen
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- Bild 1: Bioreaktor-Entwicklung von der CAD-Zeichnung bis zum fertigen Reaktor.
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- Bild 2: Simulation von reaktorspezifischen Kenngrößen.
Zu unseren Kernkompetenzen zählt die Entwicklung von Bioreaktoren für verschiedenste Anwendungen im Tissue Engineering. Dabei können wir auf große Erfahrungen in der Entwicklung von Reaktoren zur Zellexpansion von primären Zellen, zur Kultivierung von Geweben unter Mediumfluss, zur Kultivierung von Geweben an einer Luft-Medium-Grenzfläche sowie zur Kultivierung von komplexen vaskularisierten Geweben zurückgreifen.
Unseren Kunden können wir dabei alle Prozessschritte von einer ersten Konstruktionszeichnung über die Simulation wichtiger Kenngrößen, der 3-D-Konstruktion bis hin zur Endfertigung anbieten (Bilder 1 und 2). Außerdem können wir speziell für Tissue-Engineering-Anwendungen entwickelte Inkubatorsysteme, die zum Betrieb von Bioreaktorsystemen benötigt werden, zur Verfügung stellen.
Weiterhin erstellen wir für Fragestellungen aus der Bioverfahrenstechnik Simulationen, die Aufschluss über Problemstellungen ermöglichen, die experimentell nur mit hohem Aufwand ermittelbar sind.
Austattung
Neben den Standardarbeitsgeräten für Zellkultur wie Sterilbänken und Brutschränken wurden speziell für den Umgang mit Bioreaktoren Inkubatorsysteme entwickelt, die einen Betrieb der verwendeten Reaktoren bei physiologischen Bedingungen ermöglicht. Zur Aufprägung von physiologischen, gewebespezifischen Reizen können diese Inkubatorsysteme mit computergesteuerten Pumpen und axial Motoren erweitert werden. Zur Berechnung der aufzuprägenden Reize verwenden wir modernste Modellierungs-Software. Dazu steht neben der jeweiligen Software auch die entsprechende Rechenleistung über Serversysteme zur Verfügung (Bild 1).
Die Konstruktion der Bioreaktoren als auch der Inkubatorsysteme erfolgt in einer CAD-Softwareumgebung, die gleichzeitig auch für die geometrischen Abbildungen der Modellierung dienen. Für die mathematische Modellierung und Simulation der Prozesse steht zusätzliche Software zur Verfügung, mit der detaillierte Vorhersagen und Simulationen auch in mikroskopischen Bereichen durchgeführt werden können.
Publikationen
- Hansmann J. Induktion von Angiogenese in vitro durch modellbasierte Bioreaktortechnologie. Berichte aus Forschung und Entwicklung Nr. 035 Fraunhofer Verlag;
- Weymueller J. Entwicklung eines Bioreaktors zur automatisierten Zellkultur. Diplomarbeit. Diplomarbeit. Universität Stuttgart;
- Wutzke R. Bestimmung von physikalischen Parametern zur Kryokonservierung von dreidimensionalen humanen Hautäquivalenten. Diplomarbeit. Universität Stuttgart;
- Kahlig A. Definition physikalischer Parameter zur Entwicklung eines Bioreaktors zur Herstellung von vaskularisiertem Knochengewebe. Diplomarbeit Universität Stuttgart;
- Mertsching H, Hansmann J. Bioreactor technology for cardio-vascular Tissue Engineering. In: Advances in Biochemical Engineering and Biotechnology: Bioreactor systems for Tissue Engineering. 2008 Springer Medizin Verlag. ISBN: 978-3-540-69357-4;
- Hansmann J, Mertsching H. Bioreaktorentwicklung für das Tissue Engineering. BIOforum 2008, 1, 46-47.









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