Das Fraunhofer IGB hat einen flexiblen Workflow etabliert, der die gesamte Prozesskette von der Produktion über die Aerosolisierung bis zur differenzierten Analyse aerosolgetragener Surrogatviren abdeckt.
Als repräsentative Modellviren kommen nicht-pathogene Bakteriophagen zum Einsatz. Der behüllte RNA-Phage Phi6 dient als Surrogat für behüllte Viren wie SARS‑CoV‑2. Ergänzend wird der weit verbreitete unbehüllte RNA-Phage MS2 genutzt, der häufig für Studien zur UV-Inaktivierung, Filtration und allgemeinen Aerosolstabilität eingesetzt wird. Beide Surrogatviren sind ungefährlich für Mensch und Tier und liefern zugleich ein virologisch aussagekräftiges Modell.
Standardisierte Formulierung und Aerosolisierung
Die Surrogatviren werden in einem geeigneten Medium formuliert und unter kontrollierten Bedingungen aerosolisiert. So entstehen reproduzierbare Aerosolbedingungen, unter denen Prüfobjekte wie Luftreiniger, UV‑C-Quellen, Filtermaterialien oder Masken gezielt getestet werden können.
Probenahme und Analyse
Für die Probenahme nutzen wir etablierte Verfahren zur Erfassung aerosolisierter Viren. Zur präzisen Differenzierung zwischen infektiösen und inaktivierten Viren kombinieren wir zwei komplementäre Methoden:
- Ein Phagen-Plaque-Assay quantifiziert ausschließlich infektiöse Partikel, die sich als lytische Plaques auf einem Bakterienrasen darstellen.
- Eine phagenspezifische (RT-)qPCR erfasst die Gesamtvirusanzahl (infektiöse + inaktivierte Partikel) auf Genom-Ebene.
Der Vergleich beider Werte ermöglicht eine exakte Bestimmung der Inaktivierungsrate und damit eine belastbare Bewertung der Wirksamkeit von Technologien.
Der Workflow wurde u. a. in Projekten wie AVATOR (Virus-Grill – thermische Inaktivierung aerosolgetragener Viren) und der Healthy Air Initiative erfolgreich eingesetzt und ist flexibel auf Kundenanforderungen anpassbar, z. B. durch Integration spezifischer Prüfobjekte oder Anpassung der Versuchsbedingungen.