In Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Kosmetik müssen für Produkte und Prozesse definierte mikrobiologische Anforderungen eingehalten werden. Häufig stehen dabei konkrete Problemkeime im Vordergrund – etwa Pathogene oder Verderbniserreger, die in bestimmten Rohstoffen, Prozessen oder Produktkategorien immer wieder auftreten.
In vielen Fällen ist nicht eine »generelle Keimreduktion« das Ziel, sondern die gezielte Kontrolle einzelner Bakterienspezies oder -gruppen, zum Beispiel:
- Pathogene und Verderbniserreger in Agrar- und Post‑Harvest‑Ketten,
- unerwünschte Bakterien in Lebensmitteln, bei denen Geschmack, Geruch und Konsistenz erhalten bleiben müssen,
- unerwünschte Bakterien in Produkten mit Starterkulturen oder Probiotika, ohne diese erwünschten Kulturen zu beeinträchtigen,
- bakterielle Kontaminationen in Rohstoffen, Produktionsanlagen und bei der Abfüllung reduzieren – insbesondere bei kosmetischen Produkten mit geringem Konservierungsmitteleinsatz.
Limitierungen klassischer Maßnahmen zur Keimreduktion
Klassische Maßnahmen wie Breitband‑Konservierung, Desinfektion, Hitze oder pH‑Anpassung sind technisch etabliert, stoßen aber in der Praxis auf verschiedene Grenzen:
- Sie wirken unspezifisch und beeinflussen häufig auch erwünschte Mikroorganismen (z. B. Starterkulturen, Probiotika, nützliche Pflanzenmikroben).
- Sie lassen sich nicht in jeder Matrix oder Rezeptur in beliebiger Intensität einsetzen, ohne Produktqualität, Sensorik oder technologische Funktion zu beeinträchtigen.
- In bestimmten Anwendungen besteht der Wunsch, den Einsatz bestimmter chemischer Stoffe zu begrenzen oder gezielt zu ersetzen, etwa in Bio‑Produkten, Naturkosmetik oder »Clean‑Label«-orientierten Sortimenten.
Klassische Maßnahmen sind in vielen Anwendungen wirksam und unverzichtbar. Bakteriophagen können sie dort gezielt ergänzen, wo einzelne bakterielle Kontaminanten selektiv kontrolliert werden sollen.