SIAAP – Innovationspartnerschaft für die Behandlung von organischen Abfällen und Klärschlämmen im Großraum Paris

Im Großraum Paris erzeugen mehrere Millionen Menschen enorme Mengen an Abfällen und Abwasser. Um die nützliche Co-Vergärung von organischen Abfällen und Klärschlämmen zu etablieren, wurde die Forschungspartnerschaft Cométha ins Leben gerufen. Eines der vier mit der Erforschung betrauten Konsortien ist ein deutsch-französisches Konsortium unter Beteiligung des Fraunhofer IGB. Hier wird eine neue modulare Lösung zur Vergärung der Organik zu Biogas und Rückgewinnung der anorganischen Nährstoffe erprobt. In dem in drei Stufen angelegten Projekt soll nach Untersuchung im Labormaßstab und Pilotbetrieb vor Ort eine hocheffiziente Industrieanlage geplant und gebaut werden.

Herausforderung

Im Großraum Paris erzeugen rund 6 Millionen Einwohner in 84 Gemeinden jährlich fast 2,3 Millionen Tonnen kommunaler Abfälle, die vom öffentlichen Entsorgungsunternehmen Syctom (l'agence métropolitaine des déchets ménagers) in 12 Industrieanlagen behandelt werden. Das Abwasser von fast 9 Millionen Menschen in der Region Ile-de-France, zu der auch Paris gehört, wird vom Verband SIAAP (service public de l’assainissement fracilien) gereinigt. Damit gehören Syctom und SIAAP europaweit zu den größten öffentlichen Betreibern auf ihrem Gebiet.

Trocknungsanlage
© Fraunhofer IGB
Anlage zum Trocknen der HTC-Kohle mit überhitztem Dampf.
Struvit
© Fraunhofer IGB
Flüssigphase und hieraus gewonnener Phosphordünger Magnesium-Ammonium-Phosphat (Struvit).

Ziel: Co-Methanisierung mit bestmöglicher Energiebilanz

Beide Verbände haben eine Innovationspartnerschaft ins Leben gerufen, um die gesamten kommunalen organischen Abfälle (Biomüll, Pferdemist, Reststoffe) im Großraum Paris in Kombination mit Klärschlamm effizient zu Biogas bzw. Methan als regenerativem Energieträger umzusetzen. Ziel ist es, in dieser Co-Methanisierung die Umwandlung von organischem Kohlenstoff zu Methan zu maximieren. Dazu sollen Nebenprodukte des Prozesses minimiert und Rohstoffe wie z. B. Phosphor zurückgewonnen werden. Höchste Umweltstandards werden erreicht. Zur Umsetzung des umfangreichen Vorhabens wurden nach einer Ausschreibung vier Konsortien mit der wissenschaftlichen Untersuchung und Konzeption der Pilotanlage beauftragt.

 

Vorhaben

Das deutsch-französische Konsortium, an dem das Fraunhofer IGB beteiligt ist, hat eine Lösung entwickelt, die einzelne Verfahrensschritte optimal kombiniert. In Phase 1 wurden Untersuchungen im Labormaßstab durchgeführt und die Pilotanlage ausgelegt. Die Ergebnisse der Pilotanlage wiederum werden, im Falle der Beauftragung der nächsten Projektstufen, eine solide Basis für die Planung und den Bau einer hocheffizienten Industrieanlage bilden.

 

Rolle des IGB

Das Fraunhofer IGB trägt insbesondere dazu bei, ein nachhaltiges, zukunftsträchtiges Nährstoffmanagement zu realisieren. Stickstoff und Phosphor werden zurückgewonnen. Dadurch wird nicht nur Wertschöpfung erreicht, sondern auch die Rückbelastung der Kläranlage verhindert. Das Fraunhofer IGB evaluierte in der Forschungsphase auch die Nassvergärung des Gemisches von Klärschlamm und organischem Abfall zu Biogas mit besonders positiven Ergebnis.

 

Auswirkung

Das Vorzeigeprojekt macht Paris weltweit führend im Bereich der organischen Abfallentsorgung in Bezug auf CO2-Ausstoß und den ökologischen Fußabdruck. Gleichzeitig wird sichere und klimaneutrale Energieerzeugung gewährleistet.

Projektinformationen

Projekttitel

SIAAP – Innovationspartnerschaft für die Behandlung von organischen Abfällen und Klärschlämmen im Großraum Paris

 

Projektlaufzeit

  • Phase 1: März 2018 – August 2019
  • Phase 2: ab März 2020
  • Gesamtprojekt: März 2018 – September 2026

 

Projektpartner

  • DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH, Leipzig
  • France Biogaz Valorisation, Straßburg, Frankreich
  • Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, Stuttgart
  • GICON – Großmann Ingenieur Consult GmbH, Dresden
  • Tilia GmbH, Leipzig/Paris (Koordination)

Förderung

Wir danken dem Zuwendungsgeber Le Syctom (l’agence métropolitaine des déchets ménagers) und dem Projektträger SYCTOM für die Förderung des Projektes.