Herausforderung
Als heimische Proteinquelle bieten Erbsen großes Potenzial für eine klimafreundliche Ernährung und regionale Wertschöpfung in Sachsen‑Anhalt. Im Vergleich zu Mais und Weizen ist die Erbse jedoch im Nachteil: Es fehlen durchgängige Datenflüsse zwischen Züchtung, Anbau und Verarbeitung, verlässliche Prozessstandards für die Proteingewinnung sowie skalierbare Verfahren für die Lebensmittelindustrie. Gleichzeitig bestehen Importabhängigkeiten bei Proteinen und ungenutzte Chancen für Landwirtschaft und Verarbeitung im Mitteldeutschen Revier.
Gefragt ist eine belastbare digitale Verbindung der gesamten Wertschöpfungskette der Erbse – von der Sorte über den Feldanbau bis in die industrielle Verarbeitung. Sorten müssen nach verarbeitungsrelevanten Kriterien bewertet, Prozessparameter transparent erfasst und reproduzierbar optimiert werden. Entscheidend ist, digitale Methoden so einzusetzen, dass Qualität, Ausbeuten und Funktionalitäten der Proteinfraktionen nachvollziehbar werden und sich verlässlich in den industriellen Maßstab übertragen lassen.
Ziele und Vorhaben
Das Fraunhofer CBP entwickelt und validiert skalierbare Prozessschritte zur Anreicherung von Erbsenproteinen (Mahlen, Sichten, Fraktionieren) und erstellt erste Rohstoffe für Lebensmittelmuster. Kern des Lösungsansatzes ist die digitale Erfassung und Auswertung von Prozess- und Produktdaten entlang der Kette – von sortenreinem Ausgangsmaterial bis zur Anwendung. Das Alleinstellungsmerkmal ist die Kombination aus pilotmaßstäblicher Verarbeitungskompetenz am CBP, datengestütztem Prozessdesign und der engen Rückkopplung zu Züchtung und Anbau. Geplant sind: systematische Sortenbewertung nach Verarbeitungseignung, Optimierung der Prozessparameter auf Basis digitaler Datensätze, Definition übertragbarer Prozessmodule und der Transfer dieser Module in die Lebensmittelindustrie.
Auswirkung
Das Projekt erschließt eine regionale Erbsenbioökonomie, stärkt Landwirtschaft und Verarbeitung in Sachsen‑Anhalt und reduziert Importabhängigkeiten bei Proteinen. Digitale Prozessdaten schaffen Transparenz für Sortenwahl, Anbaupraxis und industrielle Skalierung und verkürzen den Weg von der Züchtung zum Produkt. Anwendungen und Einsatzgebiete umfassen proteinbasierte Zutaten für Fleischalternativen, milchfreie Produkte, Backwaren, Suppen/Snacks sowie weitere Convenience‑Produkte mit definierten funktionalen Eigenschaften (z. B. Textur, Emulsion, Wasserbindung). Nebenströme wie Stärke- und Faserfraktionen können zusätzlich für Lebensmittel- oder Technikanwendungen nutzbar gemacht werden.