Von der Probe zur Phagenpräparation
Wir begleiten die Entwicklung von der Isolation geeigneter Phagen bis zur anwendungsorientierten Formulierung, mit etablierten, reproduzierbaren Verfahren auf jeder Prozessstufe. Unser Leistungsspektrum umfasst die Bereiche Screening, Charakterisierung, Prozessierung und Formulierung.
Screening
Für die Isolierung lytischer Phagen nutzen wir Umweltproben aus unterschiedlichen Quellen, etwa Abwasser, Boden, Lebensmittelumgebungen oder pflanzenassoziiertem Material. Je nach Zielorganismus setzen wir dabei verschiedene Anreicherungsprotokolle ein, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, passende Phagen auch aus komplexen oder anspruchsvollen Probenmatrices zu gewinnen.
Bei der Auswahl der Kandidaten berücksichtigen wir morphologisch unterschiedliche Plaques. Jedes ausgewählte Isolat wird über mehrere Reinigungsrunden bis zur Klonalität aufgearbeitet, bevor es in die weitere Charakterisierung geht. Für die Bearbeitung größerer Probenzahlen oder Stammpanels arbeiten wir im 96-Well-Format, was eine parallele Testung vieler Kandidaten gleichzeitig ermöglicht.
Steht für ein Projekt noch kein geeigneter Wirtsstamm zur Verfügung, isolieren und identifizieren wir diesen parallel mit anschließender Bestätigung durch 16S-rRNA-Sequenzierung.
Charakterisierung
Jeden isolierten Phagen prüfen wir darauf, wie zuverlässig er wirkt, wie stabil er unter praxisrelevanten Bedingungen bleibt und ob er sicher für die weitere Entwicklung eingesetzt werden kann.
Das Wirtsspektrum bestimmen wir mittels Efficiency-of-Plating, bei der die Plaquebildung auf verschiedenen Bakterienstämmen quantitativ verglichen wird. So lässt sich präzise abbilden, wie gut ein Phage die Zielisolate erfasst und ob er Kulturen verschont, die erhalten bleiben sollen. Über sogenannte One-Step-Growth-Curves, bei denen die Phagenvermehrung in einem einzelnen Infektionszyklus zeitaufgelöst verfolgt wird, bestimmen wir sowohl die Burst Size, also die Anzahl neuer Phagenpartikel pro infizierter Zelle als auch das Adsorptionsverhalten. Ergänzend untersuchen wir die Wachstumskinetik unter definierter MOI, dem Verhältnis von Phagen zu Bakterienzellen, um die Lyseeffizienz auch in Abhängigkeit von der eingesetzten Phagenkonzentration einschätzen zu können.
Da jede Anwendungsmatrix eigene Anforderungen an die Robustheit eines Phagen stellt, prüfen wir zusätzlich dessen Stabilität gegenüber Temperatur, pH-Wert und Salzkonzentration unter den jeweils relevanten Bedingungen. Zur morphologischen Einordnung, etwa zur Bestimmung von Kopf- und Schwanzstruktur, nehmen wir elektronenmikroskopische Aufnahmen auf.
Für die vollständige Genomsequenzierung kombinieren wir Nanopore- und Illumina-Daten, da sich beide Technologien ergänzen: Nanopore liefert lange, zusammenhängende Sequenzabschnitte, während Illumina eine hohe Basenpaar-Genauigkeit beisteuert – gemeinsam ergeben sie geschlossene, verlässliche Sequenzen. Die anschließende bioinformatische Auswertung prüft gezielt auf Toxin- und Resistenzgene sowie auf Lysogeniemarker, also genetische Hinweise darauf, dass ein Phage sein Erbgut dauerhaft in das Bakteriengenom integrieren könnte. Nur Kandidaten ohne entsprechende Hinweise gehen in die weitere Entwicklung.
Prozessierung
Für die Übergabe an unsere Partner reinigen und konzentrieren wir die Phagenpräparation in mehreren aufeinander abgestimmten Schritten. Zur Vorreinigung und ersten Konzentrierung setzen wir Fällungsverfahren ein, etwa mittels PEG oder durch Nutzung des isoelektrischen Punkts der Phagenpartikel, um diese gezielt aus dem Kulturüberstand abzutrennen.
Im nächsten Schritt folgen Aufkonzentrierung und Pufferwechsel mittels Tangentialflussfiltration, wodurch sich auch größere Volumina schonend und aufarbeiten lassen. Für die Feinreinigung setzen wir je nach Projekt und Zielanwendung chromatographische Verfahren ein, etwa Ionenaustausch- oder Größenausschlusschromatographie, um verbleibende Wirtszellbestandteile und Restmedien weiter abzureichern.
Die erreichte Reinheit der Präparation sichern wir durch begleitende Qualitätskontrollen ab: Dazu zählen die Bestimmung des Proteingehalts, der Nachweis von Endotoxinen mittels LAL-Assay sowie eine Bioburden-Prüfung zum Ausschluss mikrobieller Kontaminationen. Die Prozessierung erfolgt derzeit im Labormaßstab.
Formulierung
Die gereinigte Phagenpräparation überführen wir in ein Medium, das auf die Zielmatrix und den vorgesehenen Prozess abgestimmt ist. Dazu passen wir pH-Wert und Ionenstärke der Formulierung an und setzen bei Bedarf Stabilisatoren wie Trehalose oder Glycerin ein, um die Phagen auch unter herausfordernden Bedingungen funktionsfähig zu halten. Auf Basis der in der Charakterisierung ermittelten Stabilitätsdaten leiten wir daraus das Anwendungsfenster ab, also den Konzentrations- und Bedingungsbereich, in dem der Phage in der jeweiligen Matrix wirksam bleibt.
Für Phagen, die entsprechend robust sind, arbeiten wir zudem an weiterführenden Trocknungsverfahren wie Sprühtrocknung und Gefriertrocknung, um stabile, lagerfähige Formulierungen zu entwickeln.