Rückgewinnung von Nährstoffen aus Reststoffströmen zur Herstellung von Düngemitteln

Die Nährstoffe Stickstoff und Phosphor sind Hauptbestandteile von Düngemitteln und unverzichtbar für die weltweite Nahrungsmittelproduktion. Eine systematische Rückgewinnung dieser Nährstoffe aus Reststoffen stärkt die Resilienz der Düngemittelproduktion und damit die Versorgungssicherheit. Darüber hinaus leistet sie einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Gewässerschutz. Das Fraunhofer IGB entwickelt nachhaltige und kosteneffiziente Technologien zur Nährstoffrückgewinnung und Herstellung von Düngemitteln: So wurden bereits Abwasser, Gülle und Gärreste, sowie verschiedene weitere feste oder flüssige Reststoffe charakterisiert, in Hinblick auf die Rückgewinnung von Ammonium bzw. Phosphat untersucht und erfolgreich patentierte Verfahren entwickelt. Diese entwickeln wir weiter, um sie mit Partnern umzusetzen. 

Rückgewinnung von Ammonium und Phosphat: Beitrag zu Versorgungssicherheit, Gewässer- und Klimaschutz

Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor sowie in geringeren Mengen auch Kalium, Calcium und Schwefel sind für das Wachstum aller Lebewesen essenziell. Deshalb sind sie die Hauptbestandteile von Düngemitteln und unverzichtbar für die weltweite Nahrungsmittelproduktion. Bisher werden Nährstoffe nur teilweise in einem geschlossenen Kreislauf geführt. Stattdessen werden sie mit der Ernte der Pflanzen aus dem Agrarökosystem entfernt. Eine Rückführung der Nährstoffe über die Reststoffe der Nahrungsmittelproduktion oder kommunale Entsorgungssysteme findet praktisch nicht statt.

Herausforderung steigender Nährstoffbedarf

Mit der wachsenden Weltbevölkerung und ihrem Bedarf an Nahrungsmitteln und der wachsenden Nutzung nachwachsender Rohstoffe zur Erzeugung von Bioenergie und biobasierten Basischemikalien steigt auch die Nachfrage nach Düngemitteln. Die Herstellung von Stickstoffdünger über das Haber-Bosch-Verfahren erfordert einen sehr hohen Energieeinsatz, insbesondere in der Form von Erdgas. Die industrielle Produktion von Phosphatdüngern basiert auf em Einsatz nicht erneuerbarer Rohphosphate, deren Vorkommen beständig abnehmen. 

Unser Lösungsansatz: Kreislaufführung von Nährstoffen durch Rückgewinnung zu Düngemitteln

Für ein zukunftsfähiges Wirtschaften ist die Rückgewinnung von Nährstoffen essenziell. Das Fraunhofer IGB beschäftigt sich daher mit der Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger, kosteneffizienter Technologien und Strategien für ein integriertes Ressourcenmanagement. Schwerpunkt ist die Entwicklung neuartiger Technologien zur Rückgewinnung von Nährstoffen aus Abwasser und organischen Reststoffen. In den letzten Jahren haben wir Abwasser, Gülle und Gärreste sowie verschiedene weitere feste oder flüssige Reststoffe charakterisiert, in Hinblick auf die Rückgewinnung von Nährstoffen untersucht und erfolgreich patentierte Verfahren entwickelt.

Unsere Technologien

  • Phosphorrückgewinnung: Phosphor ist ein wichtiges Düngemittel für die Landwirtschaft. Da die nätürlichen Vorkommen an Phosphor schwinden, bieten Verfahren zur Rückgewinnung dieses Nährstoffs eine nachhaltige Alternative für die Herstellung von phosphorbasierten Düngemitteln.
  • Stickstoffrückgewinnung: Stickstoffhaltige Düngemittel sind in der Landwirtschaft gefragt. Stickstoff ist in großen Mengen in Abwasser, Gärresten aus Biogasanlagen, Gülle und weiteren organischen Reststoffen vorhanden und lässt sich mithilfe am Fraunhofer IGB entwickelter Verfahren zurückgewinnen.
  • Thermischer Aufschluss und Trocknung: Mittels thermischer Verfahren können Gärreste aus Biogasanlagen in ihre Bestandteile zerlegt werden. Mittels Trocknung oder Torrefizierung lassen sich feste Restfraktionen stabilisieren, z. B. als organische Bodenverbesserer.

Vorteile der Nährstoffrückgewinnung

  • Produktion von Düngemitteln und Torfersatzprodukten
  • Erhöhte Versorgungssicherheit der benötigten Rohstoffe und Resilienz
  • Kreislaufführung statt linearem Verbrauch
  • Gewässer- und Klimaschutz

Nährstoffquellen und Anwendungsgebiete

Abwasser aus Kläranlagen

Kläranlage Erbach
© Umwelttechnik BW/Frank Eppler
Kläranlage Erbach

Zentratwässer der Klärschlammentwässerung aus Schlammfaulungen mit hohen Beladungsraten, sogenannte Hochlastfaulungen, zeichnen sich durch hohe Ammonium- und Phosphatkonzentrationen bis zu 1300 mg NHpro Liter bzw. 200 mg Phosphat pro Liter aus.

Stand der Technik: Entsorgung ohne Wiedernutzung

Stand der Technik in den meisten kommunalen Kläranlagen ist die Entfernung von Stickstoffverbindungen wie Ammonium (NH4+) und Nitrat (NO3) mithilfe von Nitrifikations- und Denitrifikationsprozessen. Unter hohem Energieverbrauch für die Belüftung werden diese Verbindungen in gasförmigen Stickstoff umgewandelt, der in die Luft entweicht. Dabei kann Lachgas freigesetzt werden, das als Zwischenprodukt entsteht und als starkes Treibhausgas gilt. Phosphat wird mittels chemischer Fällung durch Zugabe von Aluminium- oder Eisensalzen entfernt. Diese Phosphatsalze werden deponiert, da sie nicht pflanzenverfügbar sind bzw. Eisen und Aluminium in für die Pflanzen toxischen Konzentrationen freisetzen können.

Unsere Lösung

  • Stickstoffrückgewinnung mittels chemischer Membranabsorption
  • Phosphorrückgewinnung mittels ePhos-Verfahren

Vorteile der Nährstoffrückgewinnung

  • Reduktion von Lachgasemissionen
  • Energieeinsparung bei Belüftung
  • Verhindern der Deponierung von Phosphaten durch Produktion von Rezyklaten
  • Einsparung von Fällmitteln
  • Einhaltung der Grenzwerte im Ablauf der Kläranlage

Landwirtschaftliche Reststoffe: Gülle und Gärreste aus Biogasanlagen

Biogasanlage.
Biogasanlage.

In landwirtschaftlichen Biogasanlagen wird aus Biomasse Energie gewonnen. Gleichzeitig können aus den Gärresten der Anlagen wertvolle Nährstoffe zurückgewonnen werden. Das Fraunhofer IGB entwickelt die notwendigen Verfahren, um Energieerzeugung und Nährstoffproduktion miteinander zu verbinden. Biogasanlagen können auf diese Weise effizienter genutzt und somit auch wirtschaftlicher betrieben werden. So haben wir in verschiedenen Projekten Verfahren zur Aufarbeitung von Gülle und Gärresten zu mineralischen Düngern und organischen Bodenverbesserern entwickelt und als separate Module in eine Anlage für die Verarbeitung vor Ort integriert.

Herausforderung: Wohin mit der Gülle?

Das Ausbringen von Gülle, Gärresten aus Biogasanlagen und anderen landwirtschaftlichen Abfällen versorgt Ackerböden mit wertvollen organischen Bestandteilen und notwendigen Nährstoffen. Diese dienen dazu, den Nährstoffbedarf der Pflanzen zu decken und die Fruchtbarkeit der Böden zu erhalten. In Gegenden mit intensiver Tierhaltung ist die Ausbringung auf dem Feld allerdings nicht immer möglich, da die Böden bereits einen hohen Nährstoffgehalt aufweisen. Eine konventionelle landwirtschaftliche Biogasanlage mit einer Leistung von 500 kWel erzeugt mittels Vergärung beispielsweise ca. 100 Tonnen Stickstoff (N) pro Jahr. Bei einer Düngung mit 170 kg N/ha wären 588 Hektar Landfläche nötig, um die erzeugte Menge an Stickstoff aufzunehmen. Deshalb müssen Gärreste und überflüssige Gülle aus Regionen mit intensiver Tierhaltung entweder abtransportiert oder für lange Zeit gelagert werden. Aufgrund des hohen Wassergehalts von bis zu 80 Prozent ist ein Transport jedoch nicht sinnvoll. Bei der Lagerung wird Ammoniak freigesetzt.

Unsere Lösungen

  • Phosphorrückgewinnung
  • Stickstoffrückgewinnung
  • Thermischer Aufschluss von Gärresten
  • Stabilisierung der organischen Feststofffraktion durch Trocknung und Torrefizierung

Vorteile der Nährstoffrückgewinnung

  • Verbesserung der Lager- und Transportwürdigkeit durch Entwässerung
  • Produktion spezifischer Düngemittel mit definierter Zusammensetzung
  • Vermeiden von Überdüngung
  • Reduktion von Ammoniak-Emissionen
  • Phosphat und Ammonium gezielt als Nährstoff einsetzbar
  • Entfrachtetes Wasser zur Wiederverwendung (z. B. Gieß- oder Spülwasser)
  • Organische Restfraktion kann zu humusreichem Torfersatz-Produkt aufgearbeitet werden

Reststoffe und Prozesswässer der Lebensmittelindustrie

Essensabfälle.
Essensabfälle.

Auch bei der Produktion von Nahrungsmitteln oder Futtermitteln entstehen organische Reststoffe und Prozesswässer, aus denen sich wichtige Nährstoffe wie Ammonium-Stickstoff und Phosphat zurückgewinnen lassen. Das Fraunhofer IGB entwickelt und testet hierfür entsprechende Verfahren. 

Unsere Lösungen

  • Phosphorrückgewinnung
  • Stickstoffrückgewinnung

Vorteile der Nährstoffrückgewinnung

  • Interne Kreislaufführung der entfrachteten Prozesswässer
  • Einsparung von Einsatzstoffen
  • Einsparung von Frischwasser

Unsere Technologien zur Rückgewinnung und Verwertung von Nährstoffen und organischer Reststubstanz

 

Rückgewinnung von Stickstoff aus wässrigen Phasen

Für die Rückgewinnung von Ammonium aus kommunalem Abwasser oder nährstoffreichen Prozesswässern haben wir ein Verfahren entwickelt, das nach dem Prinzip einer Gasabsorption mit Membrankontaktoren arbeitet. Gasförmiges Ammoniak diffundiert über eine hydrophobe Membran und wird direkt in einer absorbierenden Lösung als Ammoniumsulfat gebunden.

 

ePhos®: Elektrochemische Rückgewinnung von Phosphor aus Abwasser

Für die Rückgewinnung von Phosphor aus kommunalem Abwasser haben wir ein elektrochemisches Verfahren entwickelt, das ohne Zugabe von Chemikalien den hochwertigen Dünger Struvit liefert.

 

Nasschemische Phosphatfällung aus Gülle und Gärresten

Neben der elektrochemischen hat das Fraunhofer IGB auch Verfahren zur nasschemischen Phosphatfällung entwickelt. Diese wurden für Gülle und Flüssiggärreste untersucht und umfasst alle notwendigen Prozessschritte, von der Ansäuerung über die Fest-Flüssig-Trennung bis zur Phosphatfällung.

 

BioEcoSIM® – Mehrstufiges Verfahren zur Aufbereitung von Gülle und Gärresten

Für die Aufbereitung von Gülle oder Gärresten sind verschiedene Verfahrensschritte notwendig, die als separate Module in einer Anlage integriert wurden. Damit können Phosphordünger, Stickstoffdünger und Bodenverbesserer gewonnen werden.

 

Rückgewinnung organisch gebundenen Phosphors

In organischen Reststoffen liegt Phosphor häufig auch chemisch gebunden vor. Um Phosphor aus solchen Substraten lösen und zurückgewinnen zu können, erarbeitet das Fraunhofer IGB biokatalytische sowie chemische Verfahren. Dieser Schritt kann die Effizienz der anschließenden Phosphatfällung aus der wässrigen Phase erhöhen.

 

Stabilisierung von Düngemitteln und Bodensubstraten durch Trocknung

Die Trocknung von mineralischen Düngern, Gärresten, der organischen Güllefraktion oder von Cyanobakterien erfolgt mit einem neuartigen Trockner mittels überhitztem Wasserdampf (superheated steam dryer, SHSD). Die am Fraunhofer IGB entwickelte Technologie bietet wesentliche Vorteile gegenüber üblichen Trocknern mit Heißluft.

 

Biologische Nährstoff-Entfernung

Bei der anaeroben Behandlung  von Schlamm oder Bioabfällen verbleiben Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphat zum Großteil in der wässerigen Phase. Werden nährstoffreiche flüssige Gärreste oder Prozesswässer für die Kultivierung von Algen eingesetzt, lassen sie sich wertschöpfend verwerten. Sie eignen sich darüber hinaus für die düngende Bewässerung in der Landwirtschaft.

Leistungsübersicht

  • Technologieentwicklung zur Rückgewinnung von Ammonium-Stickstoff oder Phosphat aus Prozesswässern / Abwasser, Klärschlammbehandlung oder Gärsubstraten und Gülle
  • Konzeptentwicklung zur Gülle- und Gärrestaufbereitung und -verwertung
  • Auswertung vorhandener Daten
  • Laboranalysen und Auswertungen zur Vervollständigung der Datenlage
  • Machbarkeitsstudien im Labor mit Realsubstrat für kundenspezifische Anwendungsfälle, Kostenabschätzung und Verfahrensoptimierung
  • Bau und Betrieb von Demonstrator- und Pilotanlagen
  • Vorplanung und Kostenschätzung für großtechnische Umsetzungen
  • Wissenschaftliche Begleitung von Inbetriebnahme und Betrieb
  • Sicherung von Schutzrechten durch Patentierung und Lizenzierung

Zusammenarbeit: So profitieren Sie von unserer Expertise

Auf Basis unserer am Fraunhofer IGB entwickelten Verfahren lassen sich Phosphor und Stickstoff aus landwirtschaftlichen und industriellen Reststoffen und Abwässern zurückgewinnen und als direkt einsetzbare Düngemittel definierter chemischer Zusammensetzung nutzen. In unseren Prozessen werden die Nährstoffe so ausgefällt oder pelletiert, dass sie als vollwertiges und spezifisches Produkt durch Industriepartner vermarktet und in verschiedenen landwirtschaftlichen Sektoren eingesetzt werden können.

Verfahrensentwicklung zur Rückgewinnung von Stickstoff und Phosphor

Wir konzipieren und entwickeln auf Ihren speziellen Reststoff angepasste Verfahren. 

Fest-/Flüssig-Trennung, Entwässerung

Auch für reine Trennaufgaben entwickeln auf der Basis unseres Knows-hows und unserer Technologien passende Verfahren.

Fallstudien

Im Einzelfall ermitteln wir in Fallstudien den Bedarf an neuen Verfahren und deren Umsetzbarkeit.

Herstellung von Mustermengen

Düngemittel können sowohl als Feststoff als auch in flüssiger Form hergestellt und vertrieben werden. Wir bieten die Möglichkeit, entsprechende Produktformulierungen zu entwickeln, Mustermengen herzustellen und entsprechend zu charakterisieren.

Anlagentechnik und Systemintegration

Aufgrund unserer verfahrenstechnischen Expertise setzen wir die Prozesse auch in Pilot- und Demonstrationsanlagen um. Darüber hinaus unterstützen wir Sie bei der Umsetzung der Verfahren in die industrielle Praxis, etwa bei der Integration in bestehende Kläranlagen.

Kontaktieren Sie uns gerne!

Wir freuen uns über Ihren Anruf oder Ihre E-Mail. Gerne erörtern wir in einem ersten unverbindlichen Gespräch, wie wir gemeinsam Ihre Herausforderungen lösen können.

 

 

Ausstattung

  • Laboraufbauten für Machbarkeitsstudien
  • Demonstrations-/Pilotanlagen für den Betrieb in situ
  • Analyselabor u. a. mit akkreditierten Prüfverfahren nach DIN EN ISO/IEC 17025:2018
    • Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC)
    • Ionenchromatographie (IC)
    • Gaschromatographie (GC)
    • Atomemissionsspektrometrie (ICP-AES)
Becherglas-Aufbau zur elektrochemischen Phosphatfällung (ePhos)
© Fraunhofer IGB
Becherglas-Aufbau zur elektrochemischen Phosphatfällung (ePhos)
© Fraunhofer IGB
ePhos-Pilotanlage zur elektrochemischen Rückgewinnung von Phosphor
Aufbau der AmmoRe-Pilotanlage im Technikum am Fraunhofer IGB
© Fraunhofer IGB
Pilotanlage zur Rückgewinnung von Ammonium am Fraunhofer IGB

Infomaterialien Nährstoffrückgewinnung

 

Produktblatt »Rückgewinnung der Nährstoffe Ammonium und Phosphat«

 

Produktblatt »Gülleaufbereitung und -verwertung als Dünger und Bodenverbesserer«

 

Broschüre »Trocknung mit überhitztem Wasserdampf – Wasserdampf bei Atmosphärendruck«

 

Produktblatt »Superheated steam drying and torrefaction of biomass residues«

(Englisch)

Traktor mit Gülle.
Gülleausbringung
Mit dem ePhos-Verfahren wird Phosphor als Struvit, Magnesium-Ammonium-Phosphat, aus nährstoffreichem Abwasser zurückgewonnen.
© Fraunhofer IGB
Mit dem ePhos-Verfahren wird Phosphor als Struvit, Magnesium-Ammonium-Phosphat, aus nährstoffreichem Abwasser zurückgewonnen.

Landwirtschaftlich genutzte Böden sind oft mit mineralischen Nährstoffen überdüngt. Falsch oder überschüssig aufgebrachte Mineraldünger werden aus dem Boden ausgewaschen und gelangen in das Grundwasser oder in Oberflächengewässer, wo der Nährstoffeintrag zu einer unerwünschten Eutrophierung führt.

Nährstoffrückgewinnung verhindert Überdüngung von Böden

Der direkte Einsatz von Gülle oder Gärresten aus der Biogasproduktion als Düngemittel kann ebenfalls von Nachteil für den Boden sein, da die Nährstoffzusammensetzung von Stickstoff, Phosphor und Kalium (N:P:K) dieser organischen Reststoffe nicht dem jeweiligen Bedarf der Pflanzen entspricht. Beim Einsatz von Gülle oder Gärresten als Düngemittel wird daher ein Nährstoffbedarf berechnet, der nur auf einen Nährstoff, normalerweise Stickstoff, bezogen wird. Dies führt zu einer Überdosierung der anderen Nährstoffe im Boden. Der Einsatz unkontrollierter Nährstoffmengen in organischen Düngern kann insbesondere in Gebieten mit intensiver Tierhaltung zu einer Nährstoffübersättigung im Boden führen und damit Umweltschäden hervorrufen. Werden die Nährstoffe aus Gülle und Gärreste stattdessen zurückgewonnen und als Ammonium- und Phosphatsalze gefällt, können die erhaltenen Mineraldünger spezifisch dosiert eingesetzt werden.

Bodendegradation.
Bodendegradation.
Gülle-Pellets
© Fraunhofer IGB
Das BioEcoSIM-Verfahren liefert neben mineralischen Ammonium- und Phosphordüngern auch humusbildende Bodenverbesserer.

Die Bodendegradation wird aufgrund der wachsenden Nachfrage an pflanzlichen Produkten bzw. nachwachsenden Rohstoffen und Bioenergie zu einem ernsthaften Problem in Europa. So wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Waldflächen und Dauergrünlandflächen in Ackerland umgewandelt. Dies führte zu einer Abnahme der organischen Bodensubstanz und in Verbindung damit zu einem verminderten Wasserrückhaltevermögen, niedrigerer Bodenfruchtbarkeit und einer Unterbrechung der Nährstoffkreisläufe.

Bodenverbesserer können Abnahme organischer Bodensubstanz ausgleichen

Zurzeit ist der Verlust der Bodenfruchtbarkeit durch die Überdüngung mit synthetischen Düngemitteln noch überkompensiert, allerdings ohne die Verluste an organischer Substanz auszugleichen. Auf lange Sicht jedoch wird der Eintrag mineralischer Düngemittel nicht ausreichen, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Der Rückgang der Bodenfruchtbarkeit wird sich unmittelbar auf die Sicherung der Nahrungsmittelproduktion auswirken, zumal Boden keine erneuerbare Ressource ist. Werden die organischen Restfraktionen von Gülle oder Gärresten nach der Nährstoffrückgewinnung beispielsweise getrocknet oder kompostiert, können die Produkte als Torfersatz eingesetzt werden und die Bodenfruchtbarkeit wieder herstellen.

Wissenschaftliche Publikationen

Jahr
Year
Titel/Autor:in
Title/Author
Publikationstyp
Publication Type
2023 Elektrolytische Reaktoren
Krupp, Sebastian; Bohn, Michael; Egner, Siegfried
Patent
2019 Phosphates recycled from semi-liquid manure and digestate are suitable alternative fertilizers for ornamentals
Ehmann, Andrea; Bach, Inga-Mareike; Bilbao, Jennifer; Lewandowski, Iris; Müller, Torsten
Zeitschriftenaufsatz
Journal Article
2017 Can phosphate salts recovered from manure replace conventional phosphate fertilizer?
Ehmann, Andrea; Bach, Inga-Mareike; Laopeamthong, Sukhanes; Bilbao, Jennifer; Lewandowski, Iris
Zeitschriftenaufsatz
Journal Article
2014 Nährstoffrückgewinnung aus Gärprodukten im Rahmen des GoBi-Vorhabens
Frank, Daniel; Messmer, Johannes; Laopeamthong, Sukhanes; Bilbao, Jennifer; Egner, Siegfried
Zeitschriftenaufsatz
Journal Article
2014 Phosphorus recovery from wastewater filtrates through a novel electrochemical struvite precipitation process
Bilbao, Jennifer
Dissertation
Doctoral Thesis
2012 Nährstoffrückgewinnung mit elektrochemischer Fällung - Anwendungspotenzial in kommunalen Kläranlagen
Bilbao, Jennifer; Frank, Daniel; Egner, Siegfried; Trösch, Walter; Hirth, Thomas
Konferenzbeitrag
Conference Paper
2010 Verfahren Rückgewinnung von Phosphatsalzen aus einer Flüssigkeit
Bilbao, J.; Bryniok, D.; Frank, D.; Egner, Siegfried
Patent
2010 Nährstoff-Recycling als Schritt zur vollständigen Nutzung von Kulturpflanzen
Bilbao, Jennifer; Stoll, Maria Soledad
Zeitschriftenaufsatz
Journal Article
2010 Characterization and anaerobic digestion of olive-mill solid wastes
Bilbao, J.; Stoll, Maria Soledad; Bryniok, Dieter; Egner, S.; Trösch, Walter; Hirth, Thomas
Konferenzbeitrag
Conference Paper
2010 Closing the nutrients cycle
Bilbao, Jennifer; Stoll, Maria Soledad; Egner, S.
Zeitschriftenaufsatz
Journal Article
2010 Reaktor zur Rückgewinnung von Phosphatsalzen aus einer Flüssigkeit
Bilbao, J.; Bryniok, D.; Campos, A.; Egner, Siegfried
Patent
Diese Liste ist ein Auszug aus der Publikationsplattform Fraunhofer-Publica

This list has been generated from the publication platform Fraunhofer-Publica

Aktuelle Publikationen

  • Michael Bohn: ePhos – elektrochemische Phosphorrückgewinnung, Galvanotechnik 9 (2025): 1125-1131. zum Artikel
  • Marius Mohr, Michael Bohn, Ulrich Dietz, Konstantin Frick, Carsten Pietzka, Hans-Jürgen Rapp, Ricardo Reyes Alva: Bioraffinerie Kläranlage, VDI energie+umwelt 02 (2025): 32-35
  • Reyes Alva, R.; Mohr, M.; Tovar, G. E. M.; Zibek, S. Recovering Ammonia as Ammonium Citrate and Ammonium Sulfate from Sludge Digestion Liquors Using Membrane Contactors in a Pilot Plant. Membranes 2025, 15(2), 62. https://doi.org/10.3390/membranes15020062
  • Reyes Alva, R.; Mohr, M.; Zibek, S. Transmembrane Chemical Absorption Process for Recovering Ammonia as an Organic Fertilizer Using Citric Acid as the Trapping Solution. Membranes 2024, 14, 102. https://doi.org/10.3390/membranes14050102