Im Juni 2025 sind Sie als neue Institutsleiterin ans Fraunhofer IGB gekommen. Wie lautet Ihr Fazit Ihrer »Anfangszeit« am IGB?
Wir arbeiten an den richtigen zukunftsrelevanten Themen – auch mit Blick auf Herausforderungen wie die Klimakrise. Außerdem erlebe ich die Mitarbeitenden als hochgradig motiviert. Ich denke, damit haben wir eine gute Grundlage, um den aktuellen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen zu begegnen.
Das IGB ist ja kein Neuland für Sie. Sie waren bereits Abteilungsleiterin am Institut, bevor Sie 2017 den Ruf an die Hochschule Reutlingen angenommen haben. Wie hat sich das Institut seit Ihrer Zeit damals verändert?
Veränderungen nehme ich vor allem auf der personellen Ebene wahr – mit vielen neuen Gesichtern am Institut. Außerdem gibt es nun die Fraunhofer-Außenstelle »Virus-basierte Therapien«. Auch die Corona-Pandemie hat deutliche Spuren im Arbeitsalltag hinterlassen.
Während Ihrer Zeit in Reutlingen haben Sie ein umfangreiches Netzwerk aufgebaut. Wie möchten Sie dieses in Stuttgart – zum Beispiel im Rahmen des neuen Biofabrikationszentrums – im Sinne des IGB weiter ausbauen?
In Stuttgart sehe ich, dass Bioengineering-Themen viel präsenter geworden sind, sowohl am Fraunhofer-Institutszentrum als auch an der Universität. Da haben wir als IGB mit unseren Stärken gute Chancen, die Zukunft des Stand-orts mitzugestalten. Gerade mein Herzensthema, die Biofabrikation, fügt sich da inhaltlich bestens ein. Mein Ziel ist, hier einen strategischen regionalen Forschungs-Hotspot aufzubauen, auch mit Einbeziehung der lokalen Wirtschaft.
Durch die Übernahme sowohl der Leitung des IGB also auch des IGVP gibt es nun wieder eine Führung beider Institute in Personalunion. Wie wollen Sie die Institute wieder näher zusammenrücken lassen?
Im ersten Schritt wollen wir den persönlichen Austausch der Mitarbeitenden beider Institute wieder stärken. Darüber hinaus plane ich gemeinsame Veranstaltungen wie z. B. ein Kolloquium für Grenzflächenverfahrenstechnik mit Beiträgen von beiden Seiten. Im Forschungsalltag möchte ich vermehrt gemeinsame Forschungsanträge voranbringen.
Auch einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Ihrem Team in Reutlingen sind Ihnen nach Stuttgart gefolgt. Welche besonderen oder neuen Kompetenzen bringt das Team mit?
Mein Team aus Reutlingen kann hier an Vieles anknüpfen. Beim Thema Biofabrikation konnte ich früher bereits Grundlagen am IGB schaffen. Darauf können wir nun aufbauen und neue Impulse setzen. Neben den fachlichen Kompetenzen hat mein Team die dafür wichtige Fähigkeit, »out of the box« zu denken. Vor allem haben wir hier die Ernährungswirtschaft im Blick, wie etwa die biotechnologische Herstellung von Fleisch- und Fischprodukten.
Was sind so Ihre Pläne für die nächsten Jahre? Welche Ziele haben Sie sich für das IGB gesetzt?
Das oberste Ziel ist natürlich, das IGB generell zukunftsfähig aufzustellen im Fraunhofer-Modell. Heißt: Noch fokussierter schauen, welche Themen wir wirtschaftlich verwerten können. Wir brauchen auch eine starke Vorlaufforschung – also diese antreibende Neugierde, um neue Themen zu finden, die für unsere Kunden relevant sind. Dafür möchte ich mich wissenschaftlich mehr in den Bereichen Greentech Solutions, Chemische und biotechnologische Prozesse, Innovative Syntheseverfahren sowie Smart Engineering und Scale-up einbringen.
Welche neuen Märkte möchten Sie dem Institut erschließen?
Ich bin davon überzeugt, dass wir an den Märkten noch breiter agieren können. Neben unseren klassischen Märkten sehe ich Wachstumspotenziale in der Ernährungswirtschaft und auch das Thema Versorgungssicherheit bzw. Resilienz wird zunehmend wichtiger. Ziel ist es, unsere heimischen Märkte zu stärken und internationalen Märkte stärker zu erschließen.