Festbettreaktor: Umwälzen verhindert Verstopfungen

Presseinformation / 02. Februar 1998

Festbettreaktoren mit immobilisierter Biomasse werden beispielsweise in der Abwasserreinigung eingesetzt. Sie haben jedoch einen Nachteil: sie verstopfen leicht. Am Fraunhofer IGB wurde nun ein Reaktor entwickelt, dessen Partikel von Zeit zu Zeit umgewälzt werden. Der Betrieb ist dadurch weniger störanfällig.

Festbettreaktor
Festbettreaktor: 20-Liter-Glasreaktor.
Edelstahlreaktor
400-Liter-Edelstahlreaktor.

Um Abwasser zu reinigen, setzen Firmen und Kommunen immer häufiger Festbettreaktoren ein. Auf Bims, Lava oder Sinterglas immobilisierte Mikroorganismen bauen die im Schmutzwasser enthaltenen organischen Verbindungen schnell und zuverlässig ab. Herkömmliche Festbettreakoren haben jedoch einen Nachteil sie verstopfen leicht: Auskristallisierte Stoffe und übermäßig bewachsene Partikel blockieren die Strömungskanäle. Das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB hat jetzt eine Anlage entwickelt, die nicht mehr verblockt. Der besondere Clou: Die Partikel werden regelmäßig umgewälzt und so gereinigt. Ein Modell des Festbettumlaufreaktors war am Stand »Fraunhofer Umwelttechnik« in Halle 8, D56 auf der ENVITEC in Düsseldorf zu sehen.

Der neue Reaktortyp arbeitet folgendermaßen: Das Abwasser wird von unten in die Anlage eingeleitet und durchströmt das aufgeschüttete Festbett. Dabei bauen die Bakterien die organischen Verbindungen ab und reinigen so das Schmutzwasser. »Damit die Mikroorganismen, die sich aufgrund des guten Nahrungsangebots sehr stark vermehren, nicht die Partikel verkleben, wird über eine Pumpe regelmäßig Flüssigkeit in ein inneres Förderrohr gepumpt«, erläutert Dr.-Ing. Werner Sternad die Besonderheit der Anlage. Der Flüssigkeits-strom reißt Teilchen des Festbetts mit und spült sie nach oben. Die dabei auftretenden Turbulenzen reinigen die Partikel und der Festbettreaktor kann nicht mehr verstopfen.

»Durch das Umwälzen der Partikel ist ein dauernder störungsfreier Betrieb der Anlage möglich«, hebt der Wissenschaftler die Vorzüge des Festbettumlaufreaktors hervor. Die ersten Prototypen der neuen Reaktor-Generation sind bereits im Einsatz. Zwei Industrieunternehmen testen die Anlagen.