Individuelle Tests für Krebsmedikamente

Presseinformation / 22.5.2000

Zytostatika werden im Rahmen der Chemotherapie bei Krebserkrankungen eingesetzt. Doch Patienten sprechen unterschiedlich auf die verschiedenen Präparate an. Forscher am Fraunhofer IGB haben nun ein schnelles und aussagefähiges Testverfahren entwickelt, mit dem sich noch vor der Therapie die Empfindlichkeit des Patienten gegenüber verschiedenen Medikamenten feststellen lässt.

Metastasierende Mamma-Karzinomzellen aus patientenspezifischem, malignem Pleuralpunktat.

Zytostatika sind Medikamente, die das Wachstum von Krebszellen verhindern sollen: sie hemmen die Zellteilung. Allerdings schlägt nicht jede Chemotherapie bei jedem Patienten gleich gut an. Bei manchen Patienten wirkt das Präparat sehr gut, bei anderen können die Tumorzellen resistent sein. Methoden, um bereits vor der Therapie abzuklären, ob ein Medikament oder eine Medikamenten-Kombination wirkt oder nicht, sind in vitro Zytostatika-Tests. Die bisherigen Verfahren sind jedoch sehr aufwendig und die Nachweisgrenzen niedrig. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart entwickelten gemeinsam mit der Firma In-Vitro Biotec GmbH ein wesentlich schnelleres und aussagekräftigeres Testverfahren. Sie zeigen es auf der Achema vom 22. bis 27. Mai (Halle 7, Stand F11-G15).

Die Auswahl des geeigneten Medikaments ist äußerst schwierig, denn jeder Erkrankte reagiert anders auf die Präparate. Größte Gefahr ist, dass die Tumorzellen des Patienten im Verlauf der Chemotherapie gegen die Medikamente resistent werden. Das heißt die Behandlung wird wirkungslos und die Krebszellen können ungehindert weiterwachsen. »Mit dem Test soll noch vor der Therapie die Empfindlichkeit des Patienten gegenüber verschiedenen Medikamenten getestet werden«, erklärt Dr. Thomas Graeve vom IGB. Durch beispielsweise Punktionen werden aus dem Tumor des Patienten Zellen entnommen, um sie anschließend im Labor in vitro zu kultivieren. Die aufgearbeiteten und gereinigten Zellen werden in einer Nährlösung am Leben gehalten. »An dieser Kultur lassen sich die verschiedenen Präparate testen«, so Dr. Graeve weiter. Schon nach kurzer Zeit kann der Test ausgewertet und die untersuchten Präparate auf ihre Wirkung hin beurteilt werden: »Überleben die Zellen, ist das Präparat unwirksam, der Patient resistent. Sind die kultivierten Tumorzellen hingegen tot, wirkt das Medikament«, fasst Dr. Graeve zusammen.

Vorteil der individuellen in-vitro-Prädiagnostik ist, dass der behandelnde Arzt schon früh eine Therapie auswählen kann und sich die Lebensqualität des Patienten auf diese Weise erheblich verbessern lässt, da unwirksame Therapiezyklen vermieden werden. Dadurch lassen sich auch zusätzliche, preisintensive Therapiesequenzen einsparen.